TOT-SICHER!?

DER TOD ALS AUFTAKT!?

Die Geburt unseres Theatervereins verdankt sich wohl nicht ganz unwesentlich der Tatsache, dass eines unserer Ensemblemitglieder schon seit längerem den stillen Wunsch hegte, wenigstens einmal als Boandlkramer auf der Bühne zu stehen. Und eben dieser Schauspieler hat sich mit unermüdlichem Engagement um die Gründung des Vereins SÜD|SPIEL verdient gemacht. Was lag also näher, als zum Auftakt der Vereinsgründung den Tod in den Mittelpunkt oder genauer gesagt: auf die Bühnenbretter zu stellen?

Zu Beginn heißt es in einem alten Kirchenlied aus dem 17. Jahrhundert: „Ach wie flüchtig, ach wie nichtig / ist der Menschen Freude! / Wie sich wechseln Stund und Zeiten, / Licht und Dunkel, Fried und Streiten, / so sind unsre Fröhlichkeiten.“

Wir nehmen unser Thema natürlich ernst: Während der Probenphase haben Mitglieder unseres Ensembles persönliche Todesfälle in ihrer nächsten Umgebung erlebt. Und gleichzeitig haben wir auf der Probenbühne viel gelacht. Eine Schauspielerin hat sogar bekannt, zwar nicht besonders gläubig zu sein, sich aber genau so das Leben nach dem Tod zu wünschen, wie’s da zwischen dem Brandner, Petrus und dem Boandlkramer im Himmel zugeht.

In einer Gegenwart, in der viele Menschen mit den klassischen Antworten des Christentums auf die Frage nach unserer Endlichkeit nicht mehr viel anfangen können, ist es umso wichtiger, immer neue Formen des Umgangs mit dem menschlichen Sterben zu finden. Der humorvolle Zugang kann die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht ersetzen, aber er kann sogar durch Trauer und Tragik hindurch etwas aufscheinen lassen, das uns wieder hoffen und schließlich weiterdenken lässt.

Es ist eine alte Weisheit, dass wir geboren werden, um zu sterben (immer in der Hoffnung, dass sich auf dieser Strecke dazwischen viel Gutes und Schönes ereignet). Es ist aber zugleich ein alter Glaube, dass der Tod die Geburt zu einem neuen, anderen Leben darstellt. Und in diesem Sinne scheint es recht passend, wenn unser neuer SÜD|SPIEL|e.V. seinen Auftakt mit dem Programm TOT-SICHER!? markiert.

Rainer Maria Rilke dichtet: „Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das / nicht mit uns teilt.“ Aber wir ahnen, wünschen und hoffen, dass der Tod eben nicht das letzte Wort hat. Und so bekommen in diesem Programm die Poeten das letzte Wort – selbst den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer dürfen wir in dieser Hinsicht als Dichter begreifen: „… erwarten wir getrost, was kommen mag!“

M.D.

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